{"id":2319,"date":"2025-08-30T21:14:13","date_gmt":"2025-08-30T19:14:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/?page_id=2319"},"modified":"2025-08-30T21:18:57","modified_gmt":"2025-08-30T19:18:57","slug":"migrationsmorgen-im-zeichen-eigener-biografien-von-schuelerinnen-und-schuelern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/migrationsmorgen-im-zeichen-eigener-biografien-von-schuelerinnen-und-schuelern\/","title":{"rendered":"Migrationsmorgen im Zeichen eigener Biografien von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern"},"content":{"rendered":"\n<p>Christian Fallegger<br>Leitung <em>AG DeLL<\/em> (Demokratie leben und lernen) und Vertreter der Fachschaft Geschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Schaufelberger<br>Mitglied <em>AG DeLL<\/em> und Vertreter der Fachschaft Philosophie<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Migration ist in der Schweiz erw\u00fcnscht? Wer darf im \u00abhelvetischen Club\u00bb als Mitglied dabei sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der zum zweiten Mal durchgef\u00fchrte <em>Migrationsmorgen<\/em> an einem Oktober-Mittwoch k\u00f6nnte sich zu einem bedeutenden Bildungsmodul f\u00fcr die Kantonschule Reussb\u00fchl Luzern entwickeln. \u00dcber hundert F\u00fcnft- und Sechstkl\u00e4ssler\/innen machten sich mit Hilfe von wertvollen Impulsen der Referierenden sowie ihrer Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler Gedanken \u00fcber ihre Lebenswelt, die immer st\u00e4rker durch Migration gepr\u00e4gt ist.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit eindr\u00fccklichen Zahlen und Fakten zum Engagement der Schweiz startete Renate Bucher vom EDA in den <em>Migrationsmorgen<\/em>. Sie stellte mittels wichtiger Fakten alles Wissenswerte im Zusammenhang von Schweiz und dem internationalen Kontext fachlich kompetent und in einer sch\u00fclergerechten Sprache und Bildwahl vor. Gleich nach ihr nutzte der Migrationsphilosoph und Ethiker Johan Rochel von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich die B\u00fchne f\u00fcr vertiefende Fragen rund um das Thema Migration.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor waren im Grundlagenfach Philosophie in den beteiligten Klassen die Grundpositionen der Migrationsethik f\u00fcr offenere oder geschlossenere Grenzen behandelt und Fragen der globalen Gerechtigkeit thematisiert worden. Johan Rochels Vortrag war gut auf diese Vorkenntnisse abgestimmt, klar und anschaulich. So untermalte Rochel seine Ausf\u00fchrungen mit bildhaften Gesten wie der Markierung einer fiktiven Grenze auf dem B\u00fchnenboden und Vorstellungshilfen wie dem Bild eines Wartezimmers vor einer Geb\u00e4rabteilung im Spital, womit er deutlich machen wollte, dass wir vielleicht milder \u00fcber das Bleiberecht von Menschen aus anderen Erdteilen urteilen w\u00fcrden, wenn wir selbst nicht zum Vornherein schon w\u00fcssten, wo wir ein Bleibe- und Mitbestimmungsrecht haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-1-1024x793.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2323\" width=\"512\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-1-1024x793.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-1-300x232.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-1-768x595.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-1.jpg 1421w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Die Sch\u00fcler Leopold Weise und Jaro Lanfranconi mit Johan Rochel im Podiumsgespr\u00e4ch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im anschliessenden Podiumsgespr\u00e4ch startete Leopold Weise aus der Klasse L22c die Fragerunde an Johan Rochel wie folgt: \u00abWir haben im Fach Philosophie folgenden Gedanken aufgegriffen: Staaten, genauso wie Vereine, d\u00fcrfen ihre Mitglieder selbst ausw\u00e4hlen. Wie stehen Sie zu dieser Analogie?\u00bb Auch die Frage der Gerechtigkeit bei der Zulassung von Migration in ein Land besch\u00e4ftigte den F\u00fcnftkl\u00e4ssler, insbesondere die Trennlinie zwischen einer Migration aus den EU-Staaten mittels Personenfreiz\u00fcgigkeit, die meist zugelassen wird, und der Migration aus den aussereurop\u00e4ischen Gebieten, die viel restriktiver behandelt wird. \u00abDies w\u00e4re ja, um beim Bild zu bleiben, gerade ein solcher Ausschluss aus dem Club\u00bb, wandte sich Weise kritisch an Rochel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche wirtschaftliche Migration soll die Schweiz in Zukunft zulassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Themenblock ging es um die Auswirkungen der Wirtschaftsmigration auf unser Land. Nebst Johan Rochel stand nun der CEO des Lehner-Versandes, FDP-Kantonsrat Thomas Meier, auf der B\u00fchne und brachte die Sichtweise des Unternehmers und Politikers ein. Dabei fragten sich die Lernenden, ob es gerecht(fertigt) sei, dass ein Staat die Zuwanderung nach Arbeitsbedarf frei und selbst regulieren k\u00f6nne. Einerseits geh\u00f6rte dazu die Frage nach der Regelung mit der EU, um die Engp\u00e4sse beim Fachkr\u00e4ftemangel zu beheben. Andererseits stand die Regulierung der aussereurop\u00e4ischen Migration zur Debatte. Rund vier F\u00fcnftel der ausl\u00e4ndischen Erwerbst\u00e4tigen stammen aus einem Mitgliedsstaat der EU\/EFTA oder Grossbritannien, hingegen nur gerade zwanzig Prozent der 1.8 Millionen Zugewanderten aus anderen globalen Regionen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2-1024x698.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2321\" width=\"512\" height=\"349\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2-1024x698.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2-300x205.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2-768x524.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2-1536x1047.jpg 1536w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-2.jpg 1613w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Johan Rochel mit Christian Fallegger als Gespr\u00e4chsleiter und Thomas Meier auf dem Podium<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der offiziellen Website der FDP entnahm die Sch\u00fclerschaft, dass die Partei auch in Zukunft auf hochqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte aus dem Ausland f\u00fcr den Schweizer Arbeitsmarkt z\u00e4hlen wolle. Der Slogan der FDP in Bezug auf die Einwanderungspolitik lautet dagegen \u00abHart, aber fair\u00bb. Entsprechend konfrontierte der F\u00fcnftkl\u00e4ssler Jaro Lanfranconi Thomas Meier mit der Frage, ob es nicht Zeichen einer Doppelmoral sei, wenn die FDP neben all diesen Aussagen gleichzeitig so stark gegen die Migration vorgehe. \u00abIst das jetzt wirklich noch fair oder doch nur hart?\u00bb, fragte er durchaus etwas schelmisch, worauf Thomas Meier sorgf\u00e4ltig zwischen den beiden Positionen abwog und die Parteiposition ausf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drei Beispiele von Migrationsgeschichten der Sch\u00fclerschaft der Kantonsschule Reussb\u00fchl Luzern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Passgenau zum Umstand, dass an der Kantonsschule Reussb\u00fchl Luzern die Migration ein pr\u00e4gendes Element der Zusammensetzung der Sch\u00fclerschaft ist, gaben drei Lernende aus den f\u00fcnften Klassen einen kurzen Einblick in ihre eigenen Familiengeschichten, die tief von Migrationserfahrungen gepr\u00e4gt sind. Diese seien hier abschliessend gew\u00fcrdigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lola Visoso aus der Klasse K22b zeigte auf, wie die Migration ihre Familie pr\u00e4gte und in der Schweiz, ja sogar in Luzern, begann, um sie letztlich wieder hierher zur\u00fcckzuf\u00fchren: \u00ab1932 wurde meine Urgrossmutter hier in der Stadt Luzern geboren. Mit sechs Jahren migrierte sie mit ihrer Familie, ihren Eltern und ihren sechs Geschwistern, aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nach Argentinien. 15 Jahre sp\u00e4ter lernte sie meinen Urgrossvater kennen. Mein Grossvater war 1957 in Mar del Plata, Argentinien, zur Welt gekommen. Sp\u00e4ter lernte er seine Frau, meine sp\u00e4tere Oma, kennen. Mit ihr zusammen hatte er 1972 ein Kind, meine sp\u00e4tere Mutter. So wurde ich 2005 ebenfalls in Mar del Plata geboren. Vor 17 Jahren, also 2007\/08, zogen meine Grosseltern in die Schweiz. 2016 entschied sich auch mein Bruder hierherzukommen und 2018 entschlossen schliesslich auch meine Eltern als Familie in die Schweiz zu ziehen, um meiner Schwester und mir eine bessere Zukunft zu erm\u00f6glichen. Wir migrierten also, weil die Lage in Argentinien im sozialen Bereich sehr instabil war. Aus diesem Grund stehe ich heute da.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Klasse L22a erz\u00e4hlte Mia Ruf von ihrem durch Migration gepr\u00e4gten Lebenslauf: \u00abMeine Familie stammt urspr\u00fcnglich aus Polen, genauer aus Oberschlesien und Warschau. Anfang der 1980er-Jahre entschied sich mein Vater dazu, Polen zu verlassen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren die politischen Zust\u00e4nde unter dem sozialistischen Regime im Ostblock. Er emigrierte dann f\u00fcr mehrere Jahre nach S\u00fcdafrika und \u00d6sterreich und kam schliesslich nach Augsburg in Deutschland. Meine Mutter reiste ihm nach und sie gr\u00fcndeten gemeinsam eine Familie. F\u00fcr meinen Bruder und mich war somit Deutschland unser Geburtsort und f\u00fcr mehrere Jahre unser Zuhause, bis meine Mutter einige Jahre nach der Scheidung einen Schweizer kennenlernte, welcher mein jetziger Stiefvater ist. Durch ihn f\u00fchrte unser Weg im Jahre 2018 hierher in die Schweiz.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2322\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Bild-3.jpg 1650w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Olekandr Oliinyk, Laura Visoso und Anusha Saves mit Gespr\u00e4chsleiter Christoph Schaufelberger und Johan Rochel im Gespr\u00e4ch<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als drittes Beispiel schilderte der ukrainische Sch\u00fcler Oleksandr Oliinyk aus der K22b seine durch den Krieg gepr\u00e4gte Migrationsbiografie. \u00abIch komme aus der Ukraine, und zwar aus Dnipropetrowsk. Ich lebe seit zweieinhalb Jahren mit meiner Mutter hier in der Schweiz. Aufgrund des Krieges in der Ukraine mussten wir fliehen und kamen in die Schweiz. Alle Migrierenden begegnen verschiedenen Schwierigkeiten, und ich bin da keine Ausnahme. Das erste Jahr in der Schweiz war f\u00fcr mich besonders herausfordernd, da ich die Sprache lernen und mich integrieren musste. Doch im Laufe der Zeit traf ich viele Menschen, die mir halfen. Heute kann ich sicher sagen, dass die Schweiz inzwischen zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Ich bin unglaublich dankbar f\u00fcr die Unterst\u00fctzung und die Chancen, die mir hier geboten werden. Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, so herzlich aufgenommen zu werden, und daf\u00fcr werde ich der Schweizer Gesellschaft immer dankbar sein. Hier habe ich die M\u00f6glichkeit, mich weiterzuentwickeln und gl\u00fccklich zu sein. <em>\u0411\u043e\u043b\u044c\u0448\u043e\u0435 \u0441\u043f\u0430\u0441\u0438\u0431\u043e<\/em>! (Vielen Dank!)\u00bb<\/p>\n<!-- PMB print buttons is only displayed on a single post\/page URLs-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian FalleggerLeitung AG DeLL (Demokratie leben und lernen) und Vertreter der Fachschaft Geschichte Christoph SchaufelbergerMitglied AG DeLL und Vertreter der Fachschaft Philosophie Welche Migration ist in der Schweiz erw\u00fcnscht? Wer darf im \u00abhelvetischen Club\u00bb als Mitglied dabei sein? 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