{"id":2311,"date":"2025-08-30T20:56:59","date_gmt":"2025-08-30T18:56:59","guid":{"rendered":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/?page_id=2311"},"modified":"2025-08-30T21:12:42","modified_gmt":"2025-08-30T19:12:42","slug":"zu-besuch-in-37-klassen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/zu-besuch-in-37-klassen\/","title":{"rendered":"Zu Besuch in 37 Klassen"},"content":{"rendered":"\n<p>Annette Studer<br>Rektorin<\/p>\n\n\n\n<p>Als Rektorin unterrichte ich seit einigen Jahren nicht mehr. Um den direkten Kontakt zu unseren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern nicht zu verlieren, setzte ich mir daher zum Ziel, im Schuljahr 2024\/25 jede Klasse einmal in einer Klassen- oder Unterrichtsstunde mit ihrer Klassenlehrperson zu besuchen. Bei aktuell 37 Klassen erstreckte sich dieses Projekt \u00fcber das ganze Schuljahr. Im ersten Teil der besuchten Lektionen beschr\u00e4nkte ich mich jeweils aufs Beobachten, im zweiten entstanden viele interessante Gespr\u00e4che mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2313\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142-300x200.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142-768x512.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A0142.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mehr als die H\u00e4lfte der Klassen besuchte ich in einer Klassenstunde. Generell fiel mir die grosse Herzlichkeit und Vertrautheit zwischen den Lernenden und ihren Klassenlehrpersonen auf. Es war deutlich sp\u00fcrbar, dass Letztere f\u00fcr ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wichtige Ansprechpersonen sind und sie auf wichtige stufenspezifische Themen und Entscheide vorbereiten. In den Klassenstunden der ersten Klassen standen Lernstrategien auf dem Programm, wie das Erstellen und Einhalten guter Wochenpl\u00e4ne und Techniken des Vokabellernens. In diesem Zusammenhang wurde auch ein sinnvoller Umgang mit dem Handy diskutiert, da gerade die <em>Digital-Detox-Woche<\/em> bevorstand. Die Zweitkl\u00e4sslerinnen und Zweitkl\u00e4ssler besch\u00e4ftigten sich mit der Schwerpunktfachwahl, oder es wurden Besuche der Zentralschweizer Bildungsmesse ZEBI vorbereitet oder ausgewertet. Auch in den f\u00fcnften Klassen ging es um die Zukunft und die Studienwahl: Zur Vorbereitung von Besuchen des BIZ und der Universit\u00e4t Luzern hatten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler einen Test zur Studienwahl ausgef\u00fcllt und diskutierten \u00fcber Kriterien wie Karrierechancen, pers\u00f6nliche Interessen, Lohn und erhoffte Berufszufriedenheit. Ein weiteres wichtiges Thema war die bevorstehende Maturaarbeit: Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler stiegen in den Themenfindungsprozess ein und er\u00f6rterten Gelingensbedingungen. In den sechsten Klassen blickte man auf den Meilenstein Maturaarbeit bereits zur\u00fcck. Dieser Jahrgang durfte f\u00fcr die Maturaarbeit erstmals auf KI-Tools zur\u00fcckgreifen und diskutierte \u00fcber die Erfahrungen damit. Zugleich machte man sich f\u00fcr den Schlussspurt, die Maturapr\u00fcfungen, bereit. Hierf\u00fcr erhielt zum Beispiel eine Klasse von ihrer Lehrerin zum Jahreswechsel 2025 ein Sch\u00e4chtelchen Smarties: Die bunten Pillen sollten symbolisch Mut, starke Nerven, Motivation und Durchhaltewillen verleihen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo meine Agenda oder der Klassenstundenplan einen Besuch in der Klassenstunde nicht erlaubten, besuchte ich eine Lektion Fachunterricht, wobei ich einen Einblick in fast alle F\u00e4cher gewann. Am Untergymnasium wurde im Schulbiotop die Entwicklung der Froschlaiche beobachtet und eine Geografiepr\u00fcfung zu den vulkanischen F\u00f6rderprodukten vorbereitet. Im Religionsunterricht spielte man ein Kahoot zu Ethik und ethischen Werten. W\u00e4hrend die Unterstufensch\u00fclerinnen und -sch\u00fcler in Deutsch noch spielerisch mit Redewendungen jonglierten, bereiteten sich Viertkl\u00e4sslerinnen und Viertkl\u00e4ssler mit einem rhetorischen Schlagabtausch zur Frage, ob Abtreibung in allen L\u00e4ndern erlaubt sein sollte, auf den schulinternen <em>Debattierwettbewerb<\/em> vor. In Geschichte ging der Klassenlehrer mit gutem Beispiel voran und er\u00f6ffnete eine Pr\u00e4sentationsreihe seiner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zur Renaissance selbst mit einem packenden Vortrag. Der Chemielehrer vermochte seine Klasse mit der Symmetrie von Molek\u00fclen zu fesseln und die Wirtschaftslehrerin f\u00fchrte anschaulich in das Obligationenrecht ein. In Musik war H\u00e4ndels <em>Wassermusik<\/em> Thema und in Franz\u00f6sisch parlierten die Maturandinnen und Maturanden abschliessend dar\u00fcber, ob das Gymnasium eine gute Ausbildungswahl gewesen sei. Angesichts der reichen Themenf\u00fclle und der zufriedenen Gesichter in den von mir besuchten Lektionen d\u00fcrfte letztlich ein klares \u00abJa\u00bb am Ende der Diskussion gestanden haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A8790_WEB-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2315\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A8790_WEB-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A8790_WEB-300x200.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A8790_WEB-768x512.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/4L3A8790_WEB.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil der besuchten Lektionen durfte ich mich und meine Arbeit als Rektorin vorstellen. Schliesslich sollten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auch einen Eindruck davon gewinnen, was hinter den T\u00fcren des Rektoratsb\u00fcros tagein, tagaus so passiert. Es wurde vermutet, ich m\u00fcsse wohl sehr viele E-Mails schreiben, Sitzungen und Elternabende leiten. Gut informierte Erstkl\u00e4sslerinnen und Erstkl\u00e4ssler liessen sich best\u00e4tigen, dass sich die ganze Schulleitung jeden Dienstagvormittag zu einer langen Besprechung treffe. Ein Sch\u00fcler meinte, auch das Erteilen von Urlauben und Disziplinarstrafen geh\u00f6re wohl zu meinen Aufgaben. Es wurde gefragt, ob ich auch die Stundenpl\u00e4ne mache, die Lehrpersonen anstelle und ob ich viel entscheiden k\u00f6nne. Ein vorwitziger Sch\u00fcler fragte, wie viel Ferien ich h\u00e4tte und ob ich mehr verdiente als die Lehrpersonen. Wir redeten auch \u00fcber die Klassen- und Pensenplanung, das neu geplante Schulhaus \u2013 die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wollten wissen, ob der Bau viel L\u00e4rm verursachen werde und ob sie darin dann auch noch Unterricht h\u00e4tten \u2013 sowie die finanzielle F\u00fchrung einer Schule. Bei der Frage, was wohl in einer Kantonsschule am meisten koste, gingen die Meinungen auseinander und reichten vom Kopierpapier \u00fcber den Strom und das Essen in der Mensa bis zu den Lehrerl\u00f6hnen. Auch mit der aktuellen Gymnasialreform besch\u00e4ftigten wir uns, in deren Zuge neue Schwerpunktf\u00e4cher eingef\u00fchrt werden. Auf die Frage, welche Schwerpunktf\u00e4cher aus Sch\u00fcler\/innensicht an der Kantonsschule Reussb\u00fchl Luzern fehlten, wurden PPP, Informatik, Sport, Italienisch, Politik und Hauswirtschaft genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach Jahrgangsstufe und Zusammensetzung der Klasse waren die Diskussionen zur\u00fcckhaltender, lebhafter oder fordernder. Zum Abschluss gaben die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler schriftlich oder m\u00fcndlich dar\u00fcber Auskunft, was sie als Klasse auszeichnet, was die Highlights im vergangenen Jahr waren und was sie sich f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es fiel auf, dass die meisten Klassen stolz auf ihren guten Klassenzusammenhalt sind, auf ihre Hilfsbereitschaft \u2013 man unterst\u00fctze einander, wenn jemand etwas nicht verstehe \u2013 und auf den respektvollen Umgang miteinander. Ebenfalls auff\u00e4llig war, dass viele Klassen als sie auszeichnende Eigenschaften ihre hohe Leistungsbereitschaft, ihren Fleiss, ihre Wissbegierde und ihre guten Noten nannten. Wenn alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Vorjahr promoviert wurden, erf\u00fcllte sie dies mit Befriedigung. Dasselbe galt in den Maturaklassen f\u00fcr die Abgabe der Maturaarbeit und generell f\u00fcr ihr Durchhalteverm\u00f6gen, dank welchem sie es so weit geschafft h\u00e4tten. Es war eindr\u00fccklich, wie sehr die Schule bei allen Klassen im Fokus steht und ernst genommen wird: Der Leistungsdruck bzw. die eigenen Leistungsanspr\u00fcche sind auf allen Klassenstufen hoch. Gute Noten und gute Zeugnisse wurden sowohl r\u00fcckblickend als Highlights erw\u00e4hnt als auch vorausblickend als Wunsch formuliert. Weiter w\u00fcnschten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nicht zu viel Stress und dass sie die Jahrespromotion oder die Matura schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz Leistungsdruck wirkten die Lernenden generell zufrieden: Die Schule sei streng, aber ok \u2013 so der Grundtenor. Der strenge Schulalltag wird offenbar durch besondere Anl\u00e4sse gen\u00fcgend aufgelockert. F\u00fcr die ersten Klassen war der Schuleinstieg ein wichtiges Ereignis, die Schuljahreser\u00f6ffnungsfeier und das Kennenlernen der neuen Kameradinnen und Kameraden. Auch andere Gemeinschaftsanl\u00e4sse wie die Weihnachtsfeier, das Weihnachtskonzert und die Schulreisen wurden als Highlights genannt. Vielen Klassen ist das gemeinsame Sporttreiben an den Sporttagen wichtig; deshalb wurde gew\u00fcnscht, dass der Wintersporttag, welcher im Vorjahr wegen schlechtem Wetter und mangelndem Schnee ausgefallen war, heuer unbedingt wieder durchgef\u00fchrt werde. Am meisten stachen in allen Klassen die Studienwochen, insbesondere \u00abKlassenlager\u00bb, Schwerpunktfachwochen und Kulturreisen, heraus. Man geniesst es, ausserhalb der Schule gemeinsam Ausfl\u00fcge zu unternehmen, zu kochen, zu \u00fcbernachten. Das schweisse zusammen und st\u00e4rke das Vertrauen zueinander. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2314\" width=\"512\" height=\"342\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787-300x200.jpg 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787-768x512.jpg 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/IMG_4787.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Eine Klasse schw\u00e4rmte davon, im Tessin einen Comic zum Jugendroman <em>Die schwarzen Br\u00fcder<\/em> gestaltet und dessen Schaupl\u00e4tze besucht zu haben. Mehrere Klassen waren stolz auf ihre Umwelteins\u00e4tze, zum Beispiel in Graub\u00fcnden. Eine f\u00fcnfte Klasse hatte ihr Fremdsprachenpraktikum als \u00abmegatolle Erfahrung\u00bb erlebt. Aber auch im Schulalltag gab es H\u00f6hepunkte: Eine Klasse erw\u00e4hnte das Vorf\u00fchren spannender Experimente im Chemieunterricht, eine andere das Erstellen eines Musikvideos, einer dritten gefiel das Bepflanzen des K\u00fcrbisbeets im Schulgarten. Und die vierten Klassen schauten befriedigt auf ihre <em>Leitbildwettbewerb<\/em>-Projekte zur\u00fcck, mit welchen sie im Vorjahr originelle Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Schulgemeinschaft geleistet hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren sch\u00f6ne Einblicke in das Wirken unserer 37 Klassen, und als Rektorin freut es mich, dass es unseren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern im Allgemeinen gut zu gehen scheint und sie insbesondere in ihrer Klasse und bei ihren Klassenlehrpersonen Vertrauen und Verbundenheit gefunden haben. Wenn sie etwas vermissen, dann Kleinigkeiten: mehr Pflanzen, Sofas, einen Box-Sack, g\u00fcnstigere Preise in der Mensa, mehr Ruhe im dritten Stock. Seit den Besuchen nehme ich \u00f6fters von einem L\u00e4cheln begleitete Gr\u00fcsse von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in den Korridoren entgegen, halte hie und da einen Schwatz am Kaffee-Automaten oder in der Mensa. Auch l\u00e4utet es etwas h\u00e4ufiger an der Rektoratst\u00fcre, weil Sch\u00fclerinnen oder Sch\u00fcler ein pers\u00f6nliches Anliegen deponieren m\u00f6chten. Das best\u00e4rkt und erfreut: Die 37 Besuche haben sich gelohnt!<\/p>\n<!-- PMB print buttons is only displayed on a single post\/page URLs-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annette StuderRektorin Als Rektorin unterrichte ich seit einigen Jahren nicht mehr. 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