{"id":2181,"date":"2025-08-24T15:21:00","date_gmt":"2025-08-24T13:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/?page_id=2181"},"modified":"2025-08-24T15:31:47","modified_gmt":"2025-08-24T13:31:47","slug":"begruessungsrede-der-rektorin-annette-studer-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/begruessungsrede-der-rektorin-annette-studer-2\/","title":{"rendered":"Begr\u00fcssungsrede der Rektorin Annette Studer"},"content":{"rendered":"\n<p>Annette Studer<br>Rektorin<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Maturi und Maturae<\/p>\n\n\n\n<p>Stellen Sie sich vor, so in vielleicht dreissig Jahren kramen Sie bei sich zu Hause auf dem Estrich herum. Neben Kisten mit Spielzeug und uralten Smartphones stossen Sie auf einen verstaubten Karton mit dem Ger\u00fcmpel aus Ihrer Kantizeit. Zwischen vergilbten Schulb\u00fcchern und kleinen Geschenken Ihrer ersten grossen Liebe ziehen Sie diese Karte hier hervor.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img src=\"http:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Einladungskarte-Maturafeier-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2042\" width=\"512\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Einladungskarte-Maturafeier-1024x724.png 1024w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Einladungskarte-Maturafeier-300x212.png 300w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Einladungskarte-Maturafeier-768x543.png 768w, https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht24-25\/wp-content\/uploads\/sites\/200\/2025\/08\/Einladungskarte-Maturafeier.png 1109w\" sizes=\"(max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><figcaption>Einladungskarte Maturafeier<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Und auf der Stelle sehen Sie alles wieder vor sich, als w\u00e4re es gestern gewesen: Oh ja, die Maturafeier an der KSR. Ich und die Kolleginnen und Kollegen in den Stuhlreihen, alle schon etwas angeheitert und aufgedonnert mit teuren Frisuren und gewagten Gew\u00e4ndern, wie wir sie vorher und nachher nie mehr trugen. Und vorne die Rektorin, Studer hiess sie. In einem gelben Kleid mit Vogelmuster, das wohl zum Sujet der Einladungskarte passen sollte. Und dann ihre endlose Rede. Was erz\u00e4hlte sie noch mal? Na, sie wird uns wohl mit den V\u00f6geln auf der Einladungskarte verglichen haben. Ja, das war es doch! Sagte sie nicht so etwas wie: \u00abLiebe Maturi und Maturae, das T\u00fcrchen steht offen, Sie sind frei! Breiten Sie Ihre Fl\u00fcgel aus \u2013 und heben Sie ab in eine helle, lichterf\u00fcllte Zukunft!\u00bb Ja, irgendwas Kitschiges in dem Stil. Sie nannte uns \u00abfl\u00fcgge gewordene K\u00fcken\u00bb: \u00abF\u00fcrsorgliche Lehrerinnen und Lehrer haben Sie t\u00e4glich mit Bildung versorgt, um Sie fit zu machen f\u00fcr diesen Tag, an dem Sie das sichere Nest der KSR verlassen w\u00fcrden: Bei Herrn Schaufelberger haben Sie literarische Er\u00f6rterungen und philosophische Essays schreiben gelernt, Frau Bayer hat Sie in die Wahrscheinlichkeitsrechnung eingef\u00fchrt, Herr Cook in die Humangenetik, Frau Britschgi erkl\u00e4rte Ihnen die Relativit\u00e4tstheorie und Monsieur Jean <em>les r\u00e8gles du subjonctif<\/em>. Nun ist es so weit: Sie fliegen aus \u2013 manche selbstbewusst und zielstrebig, andere noch ziemlich unsicher, aber auch sie mit viel Luft unter den Fl\u00fcgeln.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>In etwa so redete sie, die Studer. M\u00e4ssig originelle ornithologische Metaphern waren das, wir unterdr\u00fcckten ein G\u00e4hnen und warteten ungeduldig darauf, endlich unsere Maturazeugnisse in Empfang nehmen zu d\u00fcrfen. Aber erst mal wurde die Rektorin <em>noch<\/em> r\u00fchrseliger: Vielleicht wollten wir ja gar nicht raus aus dem behaglichen Nest, weg von den lieben Lehrerinnen und Lehrern? Vielleicht bef\u00fcrchteten wir Orientierungslosigkeit, gar den Absturz? Darauf faselte sie etwas davon, dass ein Abschied immer auch ein Anfang sei; die Sonne gehe unter, um wieder aufzugehen, und in der Ver\u00e4nderung liege Sch\u00f6nheit. Was f\u00fcr ein Schmarrn! Auch wenn er, zugegeben, unsere Befindlichkeit gar nicht schlecht traf: Wir f\u00fchlten uns tats\u00e4chlich frei, jung und leicht wie junge V\u00f6gel, die das Nest verlassen; euphorisch, dynamisch \u2013 und doch auch etwas wehm\u00fctig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, liebe Maturi und Maturae, in etwa so werden Sie sich an den heutigen Abend erinnern, in dreissig Jahren, dort auf Ihrem Estrich, zwischen den verstaubten Kisten. Aber Erinnerungen sind tr\u00fcgerisch. Sie sind fl\u00fcchtig und flatterhaft. Wie junge V\u00f6gel entweichen sie unserem Ged\u00e4chtnis, das viel zu klein f\u00fcr sie alle ist und das haupts\u00e4chlich aus L\u00fccken besteht. Nein, liebe Maturi und Maturae, meine Rede heute Abend ist viel origineller, als Sie sie in dreissig Jahren in Erinnerung haben werden. Das haben Sie auch verdient, Sie haben immerhin die Kanti absolviert und die Matura bestanden! In Ihrer Zeit an der KSR haben Sie sich in fast 8000 Lektionen Wissen angeeignet, weit \u00fcber 500 Pr\u00fcfungen geschrieben, Hunderte Seiten Aufs\u00e4tze verfasst, Tausende Vokabeln geb\u00fcffelt, historische Zusammenh\u00e4nge von der Fr\u00fchzeit bis in die Gegenwart begriffen, mit allerlei Zahlen jongliert, physikalische und chemische Formeln auswendig gelernt und in den letzten Wochen schliesslich in insgesamt 22 F\u00e4chern Maturapr\u00fcfungen abgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sind Sie tats\u00e4chlich bereit, das Nest zu verlassen. Breiten Sie Ihre Fl\u00fcgel aus, heben Sie ab! Sie starten von einem sehr hohen Niveau \u2013 schwingen Sie sich nun auf in noch viel gr\u00f6ssere H\u00f6hen, einer lichterf\u00fcllten Zukunft entgegen. Ich w\u00fcnsche Ihnen einen guten Flug! Oh, und wenn Sie so in dreissig Jahren diese Karte aus dem Karton ziehen, dann hoffe ich, dass Ihnen die Erinnerungen ein L\u00e4cheln aufs Gesicht zaubern \u2013 wenn schon nicht jene an meine Rede, dann wenigstens jene an die Kantizeit insgesamt und jene an den restlichen heutigen Abend, zu dem ich Ihnen nun viel Vergn\u00fcgen w\u00fcnsche!<\/p>\n<!-- PMB print buttons is only displayed on a single post\/page URLs-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annette StuderRektorin Liebe Maturi und Maturae Stellen Sie sich vor, so in vielleicht dreissig Jahren kramen Sie bei sich zu Hause auf dem Estrich herum. Neben Kisten mit Spielzeug und uralten Smartphones stossen Sie auf einen verstaubten Karton mit dem Ger\u00fcmpel aus Ihrer Kantizeit. 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