{"id":1618,"date":"2024-08-08T11:24:02","date_gmt":"2024-08-08T09:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht23-24\/?page_id=1618"},"modified":"2024-08-10T22:54:48","modified_gmt":"2024-08-10T20:54:48","slug":"unterrichtsprojekte-mit-ki","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ksr-lu.ch\/jahresbericht23-24\/unterrichtsprojekte-mit-ki\/","title":{"rendered":"Unterrichtsprojekte mit KI"},"content":{"rendered":"\n<p>Roland Reichmuth und Martin Felder<br>Lehrpersonen des Erg\u00e4nzungsfaches Philosophie<\/p>\n\n\n\n<p>Wir behandelten im Erg\u00e4nzungsfach Philosophie erkenntnistheoretische Grundlagen und Basistexte aus der Philosophie des Geistes, die im Zusammenhang mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zentral sind und setzten sie in Bezug zu Filmszenen aus \u00abHer\u00bb, \u00abBlade Runner\u00bb, \u00abEx Machina\u00bb oder \u00ab2001 \u2013 A Space Odyssey\u00bb. Ebenso diskutierten wir ethische Fragestellungen bei der Anwendung von intelligenten Systemen (autonom fahrende Fahrzeuge, Pflegeroboter, Killerdrohnen). Besondere Aktualit\u00e4t erhielt die Unterrichtssequenz durch die Ver\u00f6ffentlichung und Weiterentwicklung von ChatGPT.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Einstieg ins Thema f\u00fchrten wir mit den Sch\u00fcler\/innen eine vereinfachte Variante des Turing-Tests durch. Dieser Test hat das Ziel, herauszufinden, ob eine k\u00fcnstliche Intelligenz genauso gut denken und agieren kann wie ein Mensch. Dabei kommuniziert ein Mensch via Bildschirm und Tastatur mit zwei Kommunikationspartnern \u2013 einem echten Menschen und einem Computerprogramm \u2013 und stellt diesen Fragen. Es besteht kein Blick- oder H\u00f6rkontakt. Der Mensch, der die Befragung durchf\u00fchrt, muss herausfinden, welcher von beiden Gespr\u00e4chspartnern der Computer ist. Wenn der Tester nicht erkennen kann, welcher der beiden die k\u00fcnstliche Intelligenz ist, gilt das Computerprogramm als \u00abintelligent\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir passten den Turing-Test f\u00fcr die Unterrichtssituation wie folgt an: Allen Sch\u00fcler\/innen wurden die gleichen drei Fragen zugestellt. Sie mussten diese anonym beantworten, ebenso liessen wir ChatGPT diese Fragen beantworten. Die anonymisierten Antworten wurden durcheinander gemischt und per Beamer an die Wand projiziert. Die Sch\u00fcler\/innen erhielten den Auftrag herauszufinden, welches die menschlichen Antworten waren und welche die von ChatGPT. Nat\u00fcrlich erkannten die Sch\u00fcler\/innen, welche Antworten ChatGPT erstellt hatte. Aber nicht, wie man auf den ersten Blick vermuten mag, weil diese einf\u00e4ltiger oder gef\u00fchllos waren. Nein, umgekehrt. Die Antworten von ChatGPT waren differenzierter und aussagekr\u00e4ftiger als diejenigen der Sch\u00fcler\/innen. Die Frage dann war, wie dieses Resultat zu bewerten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich Virtual Reality durften die Sch\u00fcler\/innen eine Sequenz aus \u00abHalf-Life: Alyx\u00bb mit einem VR-Headset auskundschaften. Anhand von Texten aus einem Buch des Philosophen und Mathematikers David Chalmers wurde die Erfahrung mit Bezug zu den Bereichen K.I. und Erkenntnistheorie reflektiert und diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ladina Schneider<br>Lehrperson f\u00fcr Englisch<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verfassen von Bewerbungsschreiben stellt eine essenzielle und herausfordernde Fertigkeit dar, welche unsere Sch\u00fcler\/innen erwerben m\u00fcssen, um angemessen auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorbereitet zu sein. Diese Kompetenz kann massgebliche Auswirkungen auf ihren beruflichen Werdegang haben. Es ist von entscheidender Bedeutung, jedoch keineswegs trivial, die passenden Worte im entsprechenden Kontext zu finden. K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) bietet in diesem Bereich Unterst\u00fctzung. Textbasierte Programme wie ChatGPT sind in der Lage, in k\u00fcrzester Zeit hervorragend formulierte und perfekt strukturierte Texte zu verfassen. Doch bedeutet dies, dass wir das Verfassen formeller Texte, wie Bewerbungsschreiben, vollst\u00e4ndig der KI \u00fcberlassen k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Frage gingen Sch\u00fcler\/innen der Klassen K21a und L21c nach. Sie lie\u00dfen sich w\u00e4hrend einer Unterrichtseinheit zum Thema Bewerbungsschreiben von KI unterst\u00fctzen und reflektierten anschliessend den potenziellen Mehrwert. Einige verfassten ihre Texte eigenst\u00e4ndig und liessen sie im Anschluss von ChatGPT korrigieren und \u00fcberarbeiten. Andere entschieden sich daf\u00fcr, den Grundtext von der KI verfassen zu lassen und ihn dann anzupassen. Dabei stellten die Sch\u00fcler\/innen schnell fest: Die Arbeit kann nicht g\u00e4nzlich auf die KI \u00fcbertragen werden. Es bedarf in jedem Fall menschlicher Einflussnahme. Die KI ben\u00f6tigt klare Anweisungen und spezifische Vorgaben, um das gew\u00fcnschte Ergebnis zu erzielen, und selbst dann neigen von KI verfasste Texte dazu, etwas unnat\u00fcrlich und aufgesetzt zu klingen. Kurz gesagt: Es fehlt der pers\u00f6nliche, menschliche Touch. Gerade in einem Bewerbungsschreiben ist es jedoch von Bedeutung, dass die individuelle Pers\u00f6nlichkeit durchscheint. Ein solches Schreiben soll nicht nur die beruflichen Stationen auflisten &#8211; das kann auch ein Lebenslauf -, sondern vielmehr zeigen, wer man ist. Und hierzu ist eine KI heutzutage noch nicht in der Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Arbeit mit der KI lernten die Sch\u00fcler\/innen jedoch auch das enorme Potenzial dieser Technologie kennen. Sie sch\u00e4tzten, dass das Programm Abwechslung hinsichtlich Wortwahl und Grammatik in ihre Texte einbrachte und diese besser strukturierte. Die KI bietet somit eine solide Grundlage, auf der man aufbauen kann. Am Ende ergibt sich insgesamt ein verbessertes Ergebnis im Vergleich zu einem Text, der ohne die Hilfe der KI verfasst wurde. Die Sch\u00fcler\/innen haben also in besagter Unterrichtseinheit erkannt, dass KI ein wichtiges Werkzeug in der Textproduktion sein kann, jedoch nicht die gesamte Arbeit \u00fcbernehmen kann. Insbesondere in formellen Bewerbungsschreiben ist die menschliche Komponente entscheidend und kann \u00fcber eine Einladung zum Bewerbungsgespr\u00e4ch entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Kehrli<br>Lehrperson f\u00fcr Deutsch<\/p>\n\n\n\n<p>Im Deutsch-Unterricht wird in der 4. Klasse des Langzeitgymnasiums im Fach Deutsch die antike Redekunst vermittelt. Ziel ist es, dass die Sch\u00fcler\/innen eine Rede &#8222;nach allen Regeln der Kunst&#8220; verfassen k\u00f6nnen. Teils ist diese Textsorte auch bei der schriftlichen Matura Deutsch im Angebot. Die Rhetorik der Antike ist noch heute massgebend, wenngleich nat\u00fcrlich das Auswendiglernen des Textes (&#8222;Memoria&#8220;) kein zentraler Bestandteil der Unterrichtsarbeit ist. Hingegen das Suchen und Finden von Argumenten schon (&#8222;Dispositio&#8220;). Schon da kann KI als Hilfestellung beigezogen werden und leistet so viel wie die bisherige Google-Recherche. Ich habe mit einer Klasse Erfahrungen darin sammeln wollen, ob KI auch beim Ausformulieren der Rede eine Hilfe sein kann (&#8222;Elocutio&#8220;). Wir waren erstaunt, welche Meisterleistungen ChatGPT in diesem Bereich zu vollbringen imstande war. Wir f\u00fctterten der KI eine ausf\u00fchrliche Disposition einer Rede ein, die wir gemeinsam erarbeitet und besprochen hatten. Als Prompt formulierten wir: &#8222;Schreibe bitte diese Rede&#8220;. In der Textplanung waren auch KI-kritische Teilaufgaben enthalten wie &#8222;beende die Rede mit einem Witz&#8220; oder &#8222;nenne konkrete Firmen, die ihren Sitz in der Schweiz haben und die im Bereich der Nachhaltigkeit Bedeutendes leisten&#8220;. ChatGPT traf die Textsorte genau, der &#8222;Sprechstil&#8220; war koh\u00e4rent und wohlgeformt und selbstverst\u00e4ndlich grammatikalisch und stilistisch makellos, die Vorgaben wurden umgesetzt und teils sogar Formulierungen und Fachbegriffe verbessert. Statt der konkreten Beispiele pr\u00e4sentierte ChatGPT eine charmante Formulierung und auch der Witz am Schluss, die Pointe, war recht gelungen. Insgesamt war es eine wertvolle Erfahrung zu erkennen, wie ChatGPT als Co-Autor oder Co-Pilot eingesetzt werden kann und den Schreibprozess unterst\u00fctzen kann. Zumindest in der \u00dcbungsphase. Am Aufsatz selber soll das Redenverfassen nach wie vor ohne KI-Unterst\u00fctzung stattfinden.<\/p>\n<!-- PMB print buttons is only displayed on a single post\/page URLs-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roland Reichmuth und Martin FelderLehrpersonen des Erg\u00e4nzungsfaches Philosophie Wir behandelten im Erg\u00e4nzungsfach Philosophie erkenntnistheoretische Grundlagen und Basistexte aus der Philosophie des Geistes, die im Zusammenhang mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zentral sind und setzten sie in Bezug zu Filmszenen aus \u00abHer\u00bb, \u00abBlade Runner\u00bb, \u00abEx Machina\u00bb oder \u00ab2001 \u2013 A Space Odyssey\u00bb. 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