{"id":269,"date":"2021-04-18T12:20:03","date_gmt":"2021-04-18T10:20:03","guid":{"rendered":"http:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/?p=269"},"modified":"2021-06-03T10:02:04","modified_gmt":"2021-06-03T08:02:04","slug":"podcasts-auf-dem-smartphone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/2021\/04\/18\/podcasts-auf-dem-smartphone\/","title":{"rendered":"Podcasts im Unterricht"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Podcast-Welt ist im Umbruch. Die Podcasts mauserten sich innerhalb von rund 10 Jahren zum Massenmedium und riefen die grossen Technokonzerne auf den Plan, die sie sich nun einzuverleiben beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge werden 2023 rund zwei Milliarden Menschen weltweit Podcasts konsumieren und die Hersteller werden damit einen Erl\u00f6s von mehr als vier Milliarden Dollar erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Spotify spielt dabei eine bedeutende Rolle. Die Firma besitzt auch die Podcast-Plattform &#8222;Anchor&#8220;. 2020 waren 80% aller neuen Podcasts, die bei Spotify eingereicht wurden, bei Anchor untergebracht. Weitere Mitstreiter im Markt werden Apple und Amazon sein.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00fcnftig werden Podcasts kaum mehr \u00fcber die Standard-Podcast-Apps konsumiert werden k\u00f6nnen, sondern werden nur noch \u00fcber eine der grossen Plattformen zug\u00e4nglich sein. Podcast-Urgesteine wie der deutschsprachige Podcaster Tim Pritlove bedauert das zutiefst. Das &#8222;Kind des freien Netzes&#8220; werde jetzt in die Plattformen der Konzerne integriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Medium zum Durchbruch verholfen haben in den letzten Jahren Medienschaffende wie der Amerikaner Ira Glass, der in seiner Radio-Sendung &#8222;This American Life&#8220; eine Erz\u00e4hlmethode entwickelt hat, die auch als Podcast hervorragend funktioniert. Zitat aus einem Tagi online-Artikel von Matthias Sch\u00fcssler vom 12.5.2021: &#8222;Anstelle der formellen, distanzierten Berichterstattung, die im Radio bis heute vorherrscht, macht der Podcaster sich selber zur Hauptfigur und macht aus seinen Reportagen einen spannenden Erlebnisbericht. Mit vielen athmosph\u00e4rischen Elementen, Gespr\u00e4chsfetzen aus Interviews und Musik angereichert, entsteht ein intimes H\u00f6rerlebnis, das an der Schnittstelle von Journalismus und Literatur angesiedelt ist und \u00fcber mehrere Folgen verteilt eine \u00e4hnliche Sogwirkung erzielt wie eine spannende Netflix-Serie.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Legend\u00e4r in Amerika ist auch Malcolm Gladwell mit seinem Podcast &#8222;Revisionist History&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufnahme: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Aufnahme-Tool kann die Standard-Sprachmemo-App des Smartphones eingesetzt werden. Eine bessere Qualit\u00e4t erzielt man nat\u00fcrlich, wenn man ein Kondensator-Mikrophon per USB an ein Notebook anschliesst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Datenablage: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ton-Dateien l\u00e4dt man, um sie mit der Klasse zu teilen, am besten auf OneDrive hoch. Das eigene OneDrive k\u00f6nnen alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf dem Smartphone synchronisieren und die Dateien auch offline zug\u00e4nglich machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Audiobearbeitung: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Integrieren von fremden Tonquellen oder Atmos-Sound macht eine Bearbeitung in einem Audio-Schnittprogramm unabl\u00e4ssig. Seit Jahren ist die Gratis-Audacity ein einfaches und bew\u00e4hrtes Mittel f\u00fcr Audiobearbeitung. Schulklassen k\u00f6nnen in 10-30 Minuten in die Grundfunktionen eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anwendungen im Unterricht:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Im Fach Geschichte eignet sich das Podcasten f\u00fcr Oral History-Fragestellungen.<\/li><li>Im naturwissenschaftlichen Unterricht k\u00f6nnen aktuelle Experteninterviews die Unterrichtsthemen unterst\u00fctzen oder noch attraktiver machen. Einer der ersten Podcaster in Deutschland, Tim Pritlove, hat seit Jahren viel Erfolg mit Experteninterviews. Seine Vorbereitung auf die Gespr\u00e4che sei nur minimal, sagt er, so dass er beim Fragenstellen neugierig, authentisch und offen sei.<\/li><li>Auch ein Podcasts mit fiktiven Interview-Schnipseln (Partnerarbeit) zu Themen, die in der Gegenwartsliteratur aufgegriffen werden, ist denkbar.<\/li><li>Ein (live-) Podcast k\u00f6nnte auch spannend sein als Vor-Ort-Reportage. Evtl. muss O-Ton noch separat aufgenommen werden oder er kann als Atmos-Klang verwendet werden.<\/li><li>Podcast-Beitr\u00e4ge k\u00f6nnen als Vorbereitung f\u00fcr eine Exkursion hergestellt werden und auf der Exkursion selber dann angeh\u00f6rt werden (Vgl. Beispiel unten). Die Tonfiles m\u00fcssen vorher physisch auf den Smartphones abgelegt werden.<\/li><li>Es ist sinnvoll und eine Bereicherung, wenn Podcasts mit weiterem Audio-Material &#8222;angereichert&#8220; werden, wie das Ira Glass propagiert (siehe oben). <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Beispiele:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele f\u00fcr Themen zu einer Exkursion auf den B\u00fcrgenstock. Alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Klasse w\u00e4hlten ein Thema:<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>Autorinnen und Autoren \u00fcber die Wirkung der Luzerner Bucht<\/li><li>180-Grad-Rundblick in der Luzerner Seebucht<\/li><li>Geschichte der Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldst\u00e4ttersee<\/li><li>Bau des Felsenwegs auf dem B\u00fcrgenstock<\/li><li>Der B\u00fcrgenstock als m\u00f6glicher Gastgeber f\u00fcr das WEF<\/li><li>Der B\u00fcrgenstock als geologisches Ph\u00e4nomen<\/li><li>Geburtsstunde des Tourismus auf dem B\u00fcrgenstock und Belle Epoque<\/li><li>B\u00fcrgenstock-Resort heute<\/li><li>Ausblick vom B\u00fcrgenst\u00fcck auf die Innerschweizer Berge und das Mittelland<\/li><li>Die Totentanz-Skulptur bei der B\u00fcrgenstock-Kapelle<\/li><li>Baus des Hametschwandlifts<\/li><li>Thermik am B\u00fcrgenstock<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Aufbau:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Empfehlungen f\u00fcr den Aufbau eines Podcast-Beitrags von max. 5 Minuten Dauer (Vgl. konkrete Audio-Beispiele weiter unten):<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li>Begr\u00fcssung. Ein paar Einf\u00fchrungss\u00e4tze ins Thema. Inhaltsangabe (\u00abIch sage euch, was euch in den n\u00e4chsten 5 Minuten erwartet\u00bb)<\/li><li>Navigationssatz, dass ein neuer Block\/ ein neues Thema beginnt (\u00abAls n\u00e4chstes\u2026\u00bb). Auch in Form einer Frage m\u00f6glich (\u00abIhr fragt euch sicher: Wer hat das gebaut?\u00bb)<\/li><li>Zwischenfragen ans Publikum stellen (auch z.B. \u00abh\u00f6rt ihr \u00fcberhaupt noch zu?\u00bb)<\/li><li>Cliffhanger einbauen \u2013 etwas dann erst sp\u00e4ter sagen (\u00abDas sollte sich als schlimme Fehlentscheidung herausstellen, wie ihr noch erfahren werdet\u2026\u00bb)<\/li><li>Zwischenfazit machen (\u00abbis jetzt habe ich euch erz\u00e4hlt, wie\u2026)<\/li><li>Wenn es um etwas Bildliches geht \u2013 das Bild mit Worten beschreiben (\u00abihr m\u00fcsst euch das so vorstellen: Unten links\u2026\u00bb)<\/li><li>Publikum mit DU ansprechen<\/li><li>Dauer des Podcasts: maximal 5 Minuten<\/li><li>Wenn l\u00e4nger aus einem Originaltext zitiert wird, evtl. sagen \u00abich zitiere\u00bb und am Schluss \u00abZitat Ende\u00bb<\/li><li>Am Schluss eine Verabschiedung, beste W\u00fcnsche f\u00fcr den weiteren Verlauf des Tages.<\/li><li>Es ist zu empfehlen, den Podcast-Beitrag erst zu verschriftlichen. Vor allem die Syntax muss an die m\u00fcndliche Sprache (die nachher produziert wird) angepasst sein. Es ist also von komplexen Haupt- und Nebensatzkonstruktionen abzusehen. <\/li><li>Das Publikum ist nicht in erster Linie ein Fachpublikum. Wie in einem Blog-Post m\u00fcssen Fachbegriffe, die verwendet, werden, erkl\u00e4rt werden.<\/li><li>Angemessenes Sprechtempo (nicht &#8222;bummeln&#8220;, aber Endungen auch nicht verschlucken).<\/li><li>Wo es sinnvoll ist, Emotionen in die Stimme hineingeben, nicht monoton sprechen.<\/li><li>Falls m\u00f6glich, ein gutes Mikrophon benutzen; mit zunehmender N\u00e4he zum Mikrophon wird die Stimme &#8222;gr\u00f6sser&#8220; und sonorer. <\/li><li>Darauf achten, dass keine &#8222;Popp&#8220;-Laute und m\u00f6glichst wenig Hall entstehen.<\/li><li>Zus\u00e4tzliches Audio-Material entweder mit einer Ank\u00fcndigung &#8222;einbetten&#8220; oder mit dem Sprechtext &#8222;verweben&#8220;, indem die Audiospur schon leise zu h\u00f6ren ist und zunehmend lauter wird.<\/li><li>Audio-Signete zu Beginn und am Schluss machen den Podcast als solchen zu erkennen und sind empfehlenswert.<\/li><li>usw.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Podcast-Beispiele (Ausschnitte):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Podcast-Beitrag zum Trompetenspielen hat Maarten &#8211; ganz im Stil von Ira Glass &#8211; die Sprecherstimme und Sound-Dateien harmonisch ineinander verflochten. Musik unterbricht den Sprecher nicht, sondern ist erst im Hintergrund h\u00f6rbar, dann solistisch. Das f\u00fchrt zu einem optimalen H\u00f6rerlebnis. Das Auspegeln der Lautst\u00e4rke ben\u00f6tigt Fingerspitzengef\u00fchl:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-content\/uploads\/sites\/67\/2021\/06\/Podcast-Trompete-Maarten.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Tim hat in seinem Podcast-Beitrag darauf geachtet, dass der zitierte O-Ton sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt wird, pr\u00e4gnant ist und dadurch eine gewollte dokumentarische (1. Beispiel) oder kabarettistische (2. Bespiel) Wirkung erzielen kann:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-content\/uploads\/sites\/67\/2021\/06\/Podcast-Thermik-Tim.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Podcast-Beitrag von Melina ist akustisch erkennbar, wie mit der Modulation der Stimme auch Stimmungen wie Heiterkeit, Bewunderung, Spannung ausgedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Diese akustischen &#8222;Marker&#8220; unterst\u00fctzen den Inhalt ideal:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-content\/uploads\/sites\/67\/2021\/06\/Podcast_Totentanz_Melina.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p>In Diegos Podcast ist von der Qualit\u00e4t der Stimme erkennbar, dass eine Art Werbewirksamkeit intendiert ist. Die weiche und geschmeidige Sprechart imitiert einen Werbespot und ist dennoch themenad\u00e4quat. Zudem bewirkt das Integrieren von Signeten (am Schluss) einen Wiedererkennungswert:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-content\/uploads\/sites\/67\/2021\/06\/Podcast-Buergenstock-Resort-Diego.mp3\"><\/audio><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Didaktische Feinheiten:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Es kann bei der Planung des Podcasts (bei der Verschriftlichung) eine Zwischen-Feedback-Phase eingeschaltet werden (Peer-Feedback oder Feedback Lehrperson).<\/li><li>Ausgew\u00e4hlte Podcasts k\u00f6nnen sp\u00e4ter auch in einem Blog ver\u00f6ffentlicht werden. In WordPress sieht man automatisch einen Player mit Abspielfunktion (Vgl. Beispiele oben). So k\u00f6nnen Podcast-Beitr\u00e4ge auch kommentiert werden.<\/li><li>Es ist auch ein Indoor-Podcasts-Postenlauf m\u00f6glich. Mit dem Scannen von QR-Codes kann man auf die entsprechende Seite gelangen.<\/li><li>Podcasts k\u00f6nnen auch zu literarischen Wanderungen einladen. Vgl hierzu den Post &#8222;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/2021\/04\/18\/lernorte-literatur-wege\/\" target=\"_blank\">Ausserschulische Lernorte<\/a>&#8222;. Zu literarischen Wanderungen in der Schweiz publiziert hat Barbara Piatti (\u201eEs l\u00e4chelt der See\u201c, Rotpunktverlag, 2013).<\/li><li>Podcasts als mp3-Dateien auf dem Smartphone sind zu bevorzugen. Wenn man Schulklassen auf Podcast-Oberfl\u00e4chen arbeiten l\u00e4sst (spotify, soundcloud, podcast.de, simplecast, anchor.fm usw.), handelt man sich datenschutzrechtliche Schwierigkeiten ein.<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269"}],"collection":[{"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=269"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":310,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ksr-lu.ch\/best-practice\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}